236 Gedanken: Eye-Tracking

Unsere Wahrnehmung ist schon toll – aus tausenden verfügbaren Informationen filtert sie Nützliches von Trivialem, Interessantes von Uninteressantem und Spannendes von Langweiligem. Und das Beste daran: Meist geschieht dies vollautomatisch und unbewusst – auch beim Lernen. Vor allem eLearning ist aber darauf angewiesen, dass erzeugte Inhalte auf Lernplattformen auch gelesen oder betrachtet, sprich wahrgenommen werden bevor sie verarbeitet werden können. Und hier liegt eine Schwierigkeit: So gut eine Lernaufgabe auch formuliert sein mag und wie gut der didaktische Gedanke auch war – sich mit einem Lernstoff auseinandersetzen kann nur, wer die dazu anregende Information auch wahrgenommen hat! Oft hört man „Ausreden“ wie , und viele andere… dabei kennt man das Phänomen doch gerade aus dem Internet, etwa von versteckten Preisangaben an unauffälliger Stelle. Wie also gestalte ich Lernumgebungen so, dass sie lernanregend sind und die gewünschten Informationen auch aufgenommen werden können? Die Eye Tracking Forschung versucht darauf Antworten zu geben. Mittels Messung der Augenbewegungen wird etwa untersucht, in welcher Reihenfolge Informationen betrachtet werden, zwischen welchen Inhalten Verknüpfungen gebildet werden oder auch was schlicht und einfach in der Informationsflut untergeht.

Dabei kann es einerseits um die Beschaffenheit der Software gehen (Stichwort Usability) aber auch um Lernstrategien und die Wirkung verschiedener Medien. In der 2010 erschienen Studie von Rakoczi (als Diplomarbeit auch hier online abrufbar) wird am Beispiel der Lernplattform moodle das Userverhalten beim eLearning untersucht. Die Ergebnisse der Studie sind zwar, auch aufgrund der geringen Anzahl an Studienteilnehmern, nicht wirklich beeindruckend, es lassen sich aber aus meiner Sicht doch einige Erkenntnisse für die Arbeit mit moodle herausstellen:

  • Graphiken/Bilder werden in einer relativ frühen Phase (und nicht etwa beim Verweis auf diese) betrachtet und erzeugen Vorerwartungen an den zu lesenden Text. Dabei werden komplexere Graphiken deutlich länger betrachtet – simplere häufig nur überfolgen. Der Einsatz von Graphiken/Bildern sollte daher bewusst bedacht und ggf. auch überdacht werden.
  • Hinsichtlich der Erkundung der moodle-Plattform zeigen sich große individuelle Unterschiede. Daher sollte immer daran gedacht werden, dem Benutzer nach Möglichkeit verschiedene Explorationsstrategien zur Verfügung zu stellen.
  • Bestimmte Bereiche der Lernplattform (aber auch Webpages im Allgemeinen) werden weniger oft betrachtet. So wird bei moodle der rechte Informationsblockbereich deutlich seltener betrachtet als der linke.

Blickbewegungen können aber nicht nur nachträglich interpretiert und zur Verbesserung der Lernumgebung eingesetzt werden, sondern auch direkt beim Lesen eines Textes hilfreich sein. Forscher des DFKI zeigen, wozu bspw. das iPad fähig sein könnte.

Die Debatte pro und contra eBooks möchte ich hier gar nicht aufgreifen. Aber eines macht mir doch Sorgen: Womit schlage ich in Zukunft Spinnen tot, wenn es keine Zeitungen mehr gäbe?

Viele Grüße
Sarah

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2 Responses to 236 Gedanken: Eye-Tracking

  1. eL-Tut-Web sagt:

    Hi Sarah!

    Wow, was es alles gibt! Das war mal wieder ein spannender Einblick.
    Ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis wir wirklich in solche einem Zeitalter leben, dass solche Technologien Gang und Gäbe sind.
    Ich hätte allerdings noch eine Frage, wenn du dich ein bisschen näher mit dem Thema Eyetracking beschäftigt hast… wie zuverlässig sind den die Auswertungen im Moment? Kann der Sensor wirklich bei jeder beliebigen Person, die Daten lesen und auswerten?

    Ganz liebe Grüße Kerstin

  2. eL-Tut-Web sagt:

    Hallo Kerstin,

    es gibt verschiedene Methoden beim Eye-Tracking…je nach dem gibt es auch unterschiedliche Probleme bzw. Schwachstellen.

    Eine Brille und sogar Kontaktlinsen können in der Tat die Auswertung erschweren bzw. die Kalibrierung der Geräte behindern. Zudem ist es auch ein Problem, das periphere Sehen zu erfassen.

    VG
    Sarah

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