236 Gedanken: Online-Tutor, E-Trainer oder Tele-Coach?

Vielfältig sind sie, die Bezeichnungen für Lernunterstützer im e-Learning, Blended Learning oder multimedialen Lernen. Während in der Erwachsenenbildung die Begriffe Trainer, Coach oder Consultant verhältnismäßig gut differenzierbar sind, herrscht für die Online-Welt noch relatives Brachland ob der Vielfältigkeit der Benennungen.

Diese würden entweder synonym verwendet, wie Rautenstrauch ausführt:

„[…] Synonym dazu werden auch die Bezeichnung Tele-Teacher, Online-Tutor, Tele-Trainer, E-Trainer, E-Moderator, sowie Tele-Coach verwandt.“ (Rautenstrauch 2001, S. 3).

Oder es wird eine marketingstrategische Überlegung hinsichtlich der Nomenklatur unterstellt:

„Es hat vielmehr den Anschein, dass Anbieter einschlägiger Weiterbildungsmaßnahmen diese als marketingwirksamen Titel zur Unterscheidung von ihren Wettbewerbern nutzen.“ (Kiedrowski 2001, S. 2).

Eine seriöse begriffliche Unterscheidung hinsichtlich der Tätigkeiten in E-Learning Szenarien versucht Graf (Graf 2008, S. 251):

„E-Tutor: Begleitet die Teilnehmer während des Kursverlaufes und ist der Ansprechpartner für alle Fragen, die mit dem eigentlichen Kurs zusammenhängen.

E-Moderator: Begleitet die Lerngruppe, fördert die Gruppenarbeit und stützt den Aufbau einer Community. Er zeigt den Teilnehmern auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten auf. Seine Tätigkeit wird/kann daher auch über die eigentliche Kursdauer hinausgehen.

E-Coach: Hat eine dem E-Moderator vergleichbare Rolle, allerdings in einer 1:1-Beziehung, die dem klassischen Coaching entspricht.

Online-Moderator: Diese Aufgabe betrifft die Durchführung synchroner Online-Veranstaltungen in einem virtuellen Seminarraum. Die Aufgabenstellung erfordert zum einen eine andere didaktische Vorgehensweise als in einem Präsenzseminar und setzt weiterhin gute Kenntnisse der synchronen Plattform voraus.

E-Trainer: Der E-Trainer entwickelt sich zunehmend zu einem übergeordneten Begriff. Er ist gleichermaßen in der Lage, die asynchronen und die synchronen Aufgaben zu bewältigen. Ob man hierzu noch die e-Moderation und das E-Coaching hinzurechnen kann, ist persönliche Definitionssache.

E-Learning-Manager / Lernprozessbegleiter: Die Aufgaben beginnen bereits bei der Beratung zum Einsatz von E-Learning. Er ist das Bindeglied zwischen Aus- und Weiterbildungsbeauftragten und der IT-Abteilung. Er berät bei der Auswahl der geeigneten Werkzeuge, der Kursdurchführung und ist der „Coach des Unternehmens” zum Thema E-Learning.“

Dieser Einteilung wiederum steht jedoch Lermens Aussage entgegen:

„Für die Betreuenden von Online-Bildungsangeboten gibt es – trotz verschiedener staatlicher und akademischer Initiativen – noch keine einheitliche Bezeichnung. Je nach spezifischer Anforderung und Aufgabenprofil variieren die Bezeichnungen der Betreuungsperson von Online-Tutor, Tele-Tutor, Tele-Dozent, Online-Moderator, e-Moderator, Online-Coach, Online Facilitator, e-Facilitator, Online-Teacher, e-Instruktor usw. Dabei werden Online-Tutoren z.B. vorrangig Aufgaben der Lernerbetreuung zugewiesen, e-Instructors vordergründig die Unterweisung der Lernenden, Online Trainer dagegen zusätzlich Aufgaben der Planung, Konzeption und Durchführung von Online-Seminaren.“ (Lermen 2006: 150).

Welche Erkenntnis läßt sich nun aus diesen doch einigermaßen widersprüchlichen Darstellungen gewinnen?

E-Learning wird zumeist in Blended Learning Szenarien durchgeführt. Das bedeutet, daß es mindestens die Schnittstelle zwischen Online und Präsenz gibt. Gegebenenfalls, abhängig davon, im Rahmen welcher Institution eine solche Maßnahme stattfindet, existieren weitere Schnittstellen zu Auftraggebern, Projektleitern, Personalentwicklern, Geschäftsführern, Beratern, usw.
Dies legt den Schluß nahe, daß die Ausgestaltung der Rollen im Einzelfall sehr individuell vorgenommen werden muß, z. B. abhängig von den oben genannten Schnittstellen. Und welche Bezeichnung dann letztlich für den Lernunterstützer der Online-Phasen gewählt wird, kann durchaus auch geschmacklich differieren, was in Ordnung ist – vorausgesetzt, daß alle Beteiligten (insbesondere die Teilnehmer/innen einer Maßnahme) über die Rollen und deren Funktionen informiert sind.

Ersparen möchte ich mir an dieser Stelle die Untersuchung, ob ein Online-Tutor über fachliche Kompetenzen hinsichtlich des Lernstoffes verfügen sollte, oder nicht. Aber vielleicht habt Ihr ja dazu eine Meinung … ? 😉

Literatur:

Graf, J. (2008): Marktübersicht: Train-the-eTrainer. In: Graf, J. (Hrsg.) (2008): Seminare 2008. Das Jahrbuch der Management-Weiterbildung. managerSeminare, Bonn.

Kiedrowski, J. v. (2001): Qualifizierungsmaßnahmen für Teletutoren – bedarfsorientierte Planung und Auswahl. In: Hohenstein, A./Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning. Köln 2004.

Lermen, Markus (2006): Moderation in Online-Veranstaltungen: Grundlagen und Handlungshinweise. In: ARNOLD, ROLF (HG.): eLearning-Didaktik. Baltmannsweiler: Schneider Verl. Hohengehren (Grundlagen der Berufs- und Erwachsenenbildung, 48), S. 149–172.

Rautenstrauch, C. (2001): Tele-Tutoring: Zur Didaktik des kommunikativen Handelns im virtuellen Lernraum. Vortrag ISKO 21-23.3., Berlin.

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