236 Gedanken: Online-Bildung in der Konsolidierungsphase?

Am vergangenen Samstag, den 24.11.2012 fand die erste Herbsttagung des „Berufsverbands für Online-Bildung“ (bvob) in Stuttgart statt.

Über den bvob war ich schon vor ca. 2 Jahren gestolpert. Namen wie Dr. Katja Bett und Lore Reß haben mich damals schon bewogen, mir diesen Berufsverband einmal näher anzuschauen. Also nutzte ich die Gelegenheit und meldete mich für die Herbsttagung am 24.11. an, die unter dem Motto „Online-Bildung in der Konsolidierungsphase“ stand.

Anwesende waren ungefähr 30 Teilnehmer/innen, sowohl Mitglieder des bvob als auch Externe wie ich. Die Agenda sah jeweils parallel stattfindende Workshops vor. Da ich mit einem Kollegen vor Ort war, konnten wir uns verteilen. Der von mir besuchte Workshop am Vormittag befaßte sich mit Web Based Trainings. Das Thema hatte ich bewußt gewählt, da ich mich ja schon lange gegen das Anliegen vieler WBT Anbieter wehre, sämtliche Bildungsprobleme mit einer einzigen Methode lösen zu wollen.

Der Vormittag – WBT

Der zweite Impulsvortrag fand aus organisatorischen Gründen zuerst statt. Wir hörten eine ca. 20 minütige Präsentation am Flipchart zu den Problemen, die sich während der Konzeptionsphase eines WBTs ergeben. Das Unternehmen des Vortagenden hat aus den Problemen zwei Dinge gelernt. Das erste ist so banal, wie es klingt: Man benötigt eine saubere didaktische Analyse. Ich war leicht geschockt, daß dieses Unternehmen offenbar zu Beginn rein auf Zuruf WBTs produziert hat. Das zweite hat etwas mit dem Kundenkontakt zu tun. Oft kommen während der Konzeptionsphase von WBTs noch neue Kundenwünsche hinzu, was die Fertigstellung verzögert oder zumindest gefährdet. Um dies zu lösen, setzt das Unternehmen einen Projektplan auf, den es sich vom Kunden per Unterschrift abnehmen läßt.

Die sehr interessante Diskussion um die didaktische Analyse nahm recht viel Zeit in Anspruch und ließ mich doch einigermaßen verwundert darüber zurück, wie die Mitbewerber in der Branche so arbeiten – oder vielmehr nicht arbeiten.

Der zweite Impulsvortrag (ursprünglich an erster Stelle geplant) fand dann recht spät statt, so daß im Anschluß keine Zeit mehr für die Diskussion übrig blieb. Was schade war, da der Vortragende ein paar Aussagen getroffen hat, die ich so eigentlich nicht stehenlassen wollte. Vielleicht beim nächsten Mal. 😉

Der Nachmittag – Webinare

Ein Highlight war der Nachmittag. Ich entschied mich für den Workshop zu den Webinaren. Meine Vorannahme war hier, daß man zwar vermutlich keine reinen Frontalunterricht-Szenarien in einen Virtual Classroom übeträgt, wohl aber wiederum versucht, das „Format Webinar“ für alle möglichen und unmöglichen Bildungsprobleme einzusetzen.

Diesmal gab es drei Referentinnen, die selber Webinare moderieren und diese in drei Kategorien eingeteilt hatten: 100m Sprint – einzelne Webinare von bis zu 2 Stunden. 1000m Lauf: Hier ging es um die Konzeption von Webinaren in Reihen. Marathon Lauf – dazu komme ich gleich noch …

Die beiden Kurzstrecken waren interessant anzuhören und offenbar mit guten Konzepten versehen, die Teilnehmenden der Webinare aktiv in das Geschehen einzubinden. Anlaß zu Diskussion gab hier aus meiner Sicht, daß man auf ein bestehendes technisches Tool – wenn auch so komplex wie ein Virtual Classroom – ein didaktisches Konzept preßt. Tool steht also vor Analyse. Das mag sich irgendwie aus kommerziellen Gründen rechtfertigen, steht aber für mich im krassen Gegensatz zu so ziemlich allem, was ich über Didaktik weiß.

Der Marathon Lauf hat nun allerdings mein pädagogisches Herz ganz schön in Aufregung versetzt. Dabei ging es um eine Softwareschulung, die ursprünglich in Präsenz stattfand und die man eins zu eins in den Virtual Classroom transferiert hat. Das bedeutet, daß sich bis zu 20 Teilnehmer/innen über einen Zeitraum von bis zu acht Wochen jeden Tag für acht Stunden im Virtual Classroom treffen. Für ein Modul.

Als ich das gehört habe, wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen. Die anschließende Diskussion war natürlich sehr spannend, so viel am Stück habe ich bei solchen Gelegenheiten selten geredet.

Alles in allem bleibt mir in Erinnerung, daß ich trotz teilweise unterschiedlichen Ansätzen sehr nette Menschen dort getroffen habe. Und daß es mich nach wie vor außerordentlich freut, daß mein Verständnis von Didaktik mir die Optionen läßt, aus dem Vollen zu schöpfen – sowohl online, als auch in Präsenz und am liebsten natürlich „Blended“. Den Grundstein dafür in Bezug auf Blended Learning hat übrigens Stephens Tutorenschulung an der Uni Heidelberg gelegt … 😉

Viele Grüße
Bernd

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