236 Gedanken: Virtual Classroom als schlanke Weiterbildung?

Bei meinem Besuch auf der diesjährigen LEARNTEC traf ich nicht nur Bekannte aus dem eL-Tut-Netzwerkes wieder, sondern hatte auch die Möglichkeit beim Kongress mir die neuesten Trends und Meinungen aus der Welt des eLearning einzuverleiben.
Besonders der Vortrag von Carsten Rhinow der Akademie deutscher Genossenschaften in Montabaur mit dem Titel „Geht auch anders! Einsatz virtueller Klassenräume (Virtual Classrooms, VCR) bei der ADG“ hatte es mir angetan.

Es hatte zuerst wurde das malerische Schloss und Akademiegelände gezeigt, welches ein sehr attraktiver Arbeitsplatz zu sein schien, dann kam es zum eigentlichen Curriculum der Akademie. Alle Lehrenden seien externe Angestellte und die wichtige Funktionen, wie zum Beispiel die Evaluation, seien nahezu vollautomatisiert.
Um der bereits in vielen Firmen und Betrieben herrschenden Flut an E-Mails Herr zu werden, setze die Akademie auf die Informationsvermittlung auf Enterprise 2.0 Technologien, vor allem via Virtual Classrooms. Wichtige Inhalte, vor allem rechtlicher Natur, und Rückfragen hierzu seien der Hauptbestandteil der etwa einmal pro Woche stattfinden Webinare.
Zudem bietet die Akademie Hybridveranstaltungen statt, in welcher eine Lesung in das Internet gestreamed und Fragen der virtuellen Teilnehmer via Chat gestellt werden. In Präsenz vorhandene Experten greifen diese Fragen auf und beantworten diese oder stellen diese zur Diskussion. Solche Experten könnten auch über das Internet hinzugeschaltet werden.
Als Lösung für den Notfall habe sich das System zudem bei mündlichen Prüfungen bewehrt, so dass der verhinderte Prüfling für eine 30-minütige mündliche Prüfung nicht extra anreisen musste, sondern diese vom heimischen Arbeitsplatz aus halten konnte.
Weitere Informationen würden in der privaten Xing-Community bereitgestellt, so dass beispielsweise die erwähnten Aufnahmen der Expertenrunde noch einmal angesehen werden könne oder das „Rad nicht neu erfunden“ werden müsse.

Meine Meinungen hierzu war sehr ambivalent:
Einerseits finde ich, dass dieser Ansatz einen hohen state-of-the-art Stand widerspiegelt, wie es ihn derzeit selbst in großen DAX-Unternehmen nicht allzu oft geben wird. Das Lernen am Arbeitsplatz ist für die Mitarbeiter ein gutes Zeichen, dass die Genossenschaften die Thematik des lebenslangen Lernens ernst nehmen und dies nicht nur in die Freizeit hinüber gleiten lassen. Es ist fundamental, dass für eine Trennung zwischen Dienst und Freizeit eingetreten wird, welche im Zeitalter des Internets und der Smartphones immer mehr zu verschwimmen droht. Wenn die Belegschaft durch den demographischen Wandel und des höheren Rentenalters länger arbeitet, dann muss ein solcher Schritt zum Erhalt der Arbeitskraft und dem Vorbeugen von Burn-Out-Syndromen getan werden. Zudem ist der Beitrag zum Umweltschutz durch die verringerten Reisetätigkeiten der Lehrenden und Teilnehmer auch nicht unter den Teppich zu kehren.
Auf der anderen Seite sehe ich in diesem Prinzip eine starke Form des Outsourcing, wie sie in vielen Großunternehmen anzutreffen ist, hier sei nur das Stichwort „Lean Management“, „Verschlankung“ von HR-Abteilungen oder die Auslagerung von Abteilungen in Länder mit geringerem Lohnkostenniveau genannt. Dieses System schafft nur wenige feste Arbeitsplätze, da das VCR für eine mittlere vierstellige Eurosumme pro Jahr bei der Firma Adobe mitsamt Support und Technik gemietet wird.

Diese Gedanken werden mich sicherlich in das Wochenende begleiten.

Viele Grüße
Florian

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3 Responses to 236 Gedanken: Virtual Classroom als schlanke Weiterbildung?

  1. Hallo Herr Bläß,

    besten Dank für diese gute Zusammenfassung meines Vortrages auf der LEARNTEC 2013. Als Akademie mit genossenschaftlichen Wurzeln sehen wir unsere Aufgabe vor allem darin, dass die deutschen Genossenschaftsbanken das notwendige Wissen erhalten, um weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können. Angesichts der vielen Themen, die derzeit auf die Banken zukommen wie Basel III oder neue Verordnungen bezüglich des Wertpapierrechtes sind Webinare eine sehr gute Möglichkeit, um eben solches Wissen sehr kompakt vermitteln zu können.
    Zu Ihrer Anmerkung wegen des „Lean Management“: Die Tendenz zum Outsourcing ist so in den Genossenschaftsbanken nicht zu sehen. Ganz im Gegenteil. Gerade durch die sehr regionale Ausrichtung der Volksbanken und Raiffeisenbanken verbleibt die Verantwortung für die Mitarbeiter und Kunden in der Region. Dies entspricht auch dem Grundsatz aller genossenschaftlichen Organisationen mit dem Grundsatz der Genossenschaft mit dem Hauptauftrag der Förderung der Mitglieder (was es so bei keiner anderen Unternehmensform gibt).
    Insofern sehe ich das Thema „Outsourcing“ hier etwas differenzierter, zumal die genannten Kosten ja rein sich auf die Miete der Software beziehen. Als Akademie vergüten wir natürlich zusätzlich die Dozenten, die die Webinare für uns halten. So haben wir auch Dozenten dabei, die durch die rein internetbasierten Webinare auch Familie und Beruf besser aufeinander abstimmen können. Ich freue mich auf ein Feedback von Ihrer Seite!
    Mit freundlichen Grüßen
    Carsten Rhinow
    Akademie Deutscher Genossenschaften ADG

    • eL-Tut-Web sagt:

      Hallo Herr Rhinow,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und die damit verbundenen Einsicht in Ihre Gedanken. Es freut mich, auf diesem Blog mit Ihnen über Ihr Haus- und Hofthema zu debattieren und unseren Lesern dies als Denkanstöße vorzustellen.

      Natürlich bietet Ihr System einerseits für die freiberuflichen Dozierenden und Ihre ADG die nötige Flexibilität, um damit variabel zu arbeiten, wenn dies gewünscht oder bei Zeiten auch gefordert ist. Andererseits könnte man diskutieren, ob sich Ihr state-of-the-art System auch mit anderen Strukturen umsetzen ließe.

      Gerne freue ich mich hierbei über weitere Beiträge von Lesern, Ihnen oder der Redaktion.

      Mit freundlichen Grüßen

      Florian Bläß
      Redaktion eL-Tut Blog

  2. Hallo Herr Bläß,

    besten Dank für Ihre Gedanken dazu. Die große Herausforderung, die alle Unternehmen und deren Mitarbeiter haben, ist ja die Informationsüberflutung. Angesichts der unzähligen Mails, die sicher jeder Mitarbeiter täglich bekommt, wird es in Zukunft noch viel mehr darum gehen, die Informationswege effizient und effektiv zu gestalten. Vor allem größere Unternehmen setzen hier ja auch sog. Enterprise 2.0 Lösungen, die über Blog, Gruppenräume, Webinare, etc. die Kommunikation verbessern sollen.
    Spannend dazu ist sicher der Benchlearning-Bericht zu den Sozialen Intranets:
    http://de.slideshare.net/cogneon/benchlearning-berichtsocialintranet2012

    Ein anderer wichtigen Punkt kommt noch hinzu bei der Frage des Lernens ist der Faktor „Kosten“. So hat das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt, dass der Großteil der Kosten gar nicht durch die Seminarkosten entsteht, sondern vor allem in der Abwesenheit vom Arbeitsplatz besteht.

    http://www.iwkoeln.de/de/studien/iw-trends/beitrag/susanne-seyda-dirk-werner-iw-weiterbildungserhebung-2011-82400

    Insofern sehen wir als Management-Akademie für alle Deutschen Genossenschaften hier auch unseren Auftrag, den Unternehmen und ihren Mitarbeitern das für die Zukunft notwendige Wissen auf effiziente Weise zu vermitteln. Und Webinare stellen dort einen wichtigen Baustein dar, aber natürlich nicht nur. Ich bin auch gespannt, ob das andere Unternehmen ähnlich so sehen und freue ich mich weitere Beiträge.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Carsten Rhinow

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