236 Gedanken: auf der Jagd nach der E-Learning-Stelle

Die E-Learning-Szene ist seit Jahren im steten Wandel und es hat sich hier seit Beginn meines Studiums im Jahre 2003 doch Einiges in diesem Feld getan. Im universitären Betrieb begann es als Online-Datenablage für Vorlesungsfolien, inzwischen nutzen Lehrenden es (idealerweise) für Feedback zu und Interaktivität mit den Studierenden, wenngleich nicht alle Lehrenden sich hierbei gleich überzeugt zeigten.

Am Ende meines Studiums stand ich mit den ersten Erfahrungen im Bereich E-Learning in der Tür, allerdings war mir dann unklar, wie ich einen Arbeitgeber finde, an welchen ich meine Skills „an den Mann“ bringen konnte. Drei Fragen schossen mir durch den Kopf:

  1. Gibt es da draußen derzeit überhaupt Bedarf an Personen wie mir?
  2. Wie steht es um die Bezahlung?
  3. Wie finde ich eine potentielle Arbeitsstelle?

Das eL-Tut-Netzwerk war von Beginn zuerst eine Plattform für Studierende des Instituts für Bildungswissenschaften der Universität Heidelberg gedacht, doch als sich die Mitglieder nach dem jeweiligen Abschluss mehr und mehr in Deutschland zerstreuten, wuchs eine andere Komponente hervor: das Informationsnetzwerk.

In diesem Sinne möchte ich daher meinen Eintrag in den „236 Gedanken“ dazu nutzen, um mit meinen Erfahrungen bei der Stellensuche im Internet in ein kleines Nachschlagewerk zur Selbsthilfe zu erschaffen – in der Hoffnung, dass sich ein/e E-Learning-Arbeitssuchende/r hierüber stolpert und eine noch nicht gefundene Idee für sich nutzen kann.

Gut, legen wir los:

  1. Wie sieht der Bedarf im E-Learning aus?

Spätestens seit dem Start des „Qualitätspakt Lehre“, also der verstärkten Förderung der Hochschuldidaktik nach Aufkommen des Bolognaprozesses sehe ich den Hauptbedarf an Personal mit didaktischer Erfahrung im E-Learning vor allem an den Hochschulen. Nach dem Ausbleiben erhoffter guter Ergebnisse im weltweiten Bildungsranking werden in den letzten Jahren einige Hebel bewegt und Geld in die Hand genommen, um diesem Umstand entgegen zu treten.

Private Hochschulen suchen nun ebenfalls stärker nach didaktischem Personal, welches sich mit dem Thema des Lernens über Lernplattformen und Internet beschäftigt, wenngleich die Anzahl der Stellen auch nicht die Ausmaße des öffentlichen Dienstes erreicht.

Firmen in der freien Wirtschaft suchen in sehr schwankendem Maß nach didaktischem Personal.

Im negativen Sinne sorgt der ewige Druck des „shareholder value“ dafür, dass die Aus- und Weiterbildung als „cost centre“ angesehen und somit stiefmütterlich behandelt wird. Es kostet viel, bringt (auf einem Papier mit vielen Zahlen) aber nichts ein, da sich Bildung nur schwer quantifizieren und somit nicht gut rechtfertigen lässt. Große Firmen stellen jedoch gerne Praktikanten, welche sie dann mit diesen Themen betreuen – eine gute Möglichkeit erste Erfahrungen zu sammeln.

Im positiven Sinne sind Berufseinsteiger mit einem E-Learning-Hintergrund aktuell bei großen Beratungs- und Consultingfirmen gefragt, da sich durch virtuelle Schulungen Outsouringprozesse begleiten lassen. Es mag ein fieser Gedanke sein, dass die Entlassung von Vielen die Anstellung von ein paar Wenigen ermöglicht, ist aber leider derzeitige Realität.

  1. Wie gut wird bezahlt?

Vorrangig bedeutet eine Anstellung im öffentlichen Dienst bestenfalls das Kennenlernen – aber normalerweise das Wiedersehen – mit der bekannten „6+6 Jahre Begrenzung“ nach dem Hochschullandesgesetz. Dieses Gesetz hatte die ursprüngliche Intention wissenschaftlichen Mitarbeitern eine maximale befristete Beschäftigung von drei mal zwei Jahren zu garantieren, um sie danach aus diesen prekären Beschäftigungen hinein in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu bringen. Durch ein Promotionsvorhaben bietet sich die Möglichkeit auf weitere sechs Jahre, danach ist jedoch in den meisten Fällen das Ende der Fahnenstange erreicht, da sich die Hochschulen in den seltensten Fällen auf eine unbefristete Anstellung einlassen und stattdessen jemand Neues einstellen. Die einzige Ausnahme hierbei ist die Anstellung als technischen Mitarbeiters, welcher nicht unter dieses Gesetz fällt, dafür aber im Thema E-Learning oft aus projektbasierten Mitteln finanziert wird – welche meistens auch auf zwei bis drei Jahre begrenzt sind und danach auslaufen.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter erhält man zumeist eine Stelle mit 50% Arbeitszeit auf TVL / E 13 (im Tarifgebiet West aktuell €1635,- brutto), als technischer Angestellter eines Rechenzentrums von E9 (€2400,- brutto) aufwärts bis E12 (€ 2950 brutto).

Die zweite, dafür jedoch ungleich kleinere Gruppe von potentiellen Arbeitgebern wären private Hochschulen. Hier werden gerne Jahresverträge ausgestellt, welche mit guter Arbeit und Glück (lies: Passung des Themas in die aktuelle Strategie und Tagespolitik der jeweiligen Hochschule) in einer unbefristeten Anstellung münden können. Dafür ist hier nicht unbedingt mit einer großzügigeren Bezahlung als im öffentlichen Dienst zu rechnen.

In etwa kann man bei einer Vollanstellung mit etwa €2550,- brutto rechnen.

Als Angestellter einer Beratungsfirma liegen die Gehälter hingegen weit über den eben genannten Zahlen, so dass sie durchaus €4000,- brutto erreichen können. Hierbei ist jedoch klar, dass je Arbeitswoche vier oder fünf Tage mit Reisetätigkeiten zum Kundenprojekt und des dortigen Aufenthalts im Hotel notwendig sind. Hinzu kommt nach Aussagen ehemaliger Berater ein wöchentliches Arbeitspensum von 40 bis 60 Stunden.

  1. Wie finde ich eine E-Learning-Stelle?

Es zeichnet sich derzeit der Trend ab, dass Firmen ihre Arbeitsplätze immer mehr über die unternehmenseigenen oder öffentlichen Stellenbörsen anpreisen, der öffentliche Dienst hingegen noch zumeist auf Zeitungsinserate und die eigene Homepage zurück greift. Etwas aufwändig, aber dafür genau, ist zudem die Vorgehensweise sich alle gewünschten Hochschulen über Wikipedia anzeigen zu lassen und diese dann auf deren Homepage nach Stellen abzusuchen.

Für einen ersten Überblick über das komplette Spektrum bieten sich Meta-Suchmaschinen an, welche Ergebnisse einzelner anderer Suchmaschinen aufgreifen und bündeln.

www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/et_showEntries?catfilter=id23 Stellenmarkt speziell für Stellen im E-Learning an öffentlichen Hochschulen
www.careerjet.de Meta-Jobsuchmaschine in Deutschland und weltweit
www.jobpiraten.com JobPiraten durchforstet mit einem Robot die Job-Angebote direkt auf den Unternehmensseiten
www.kimeta.de Meta-Suchmaschine nach Stichworten in Jobbörsen sowie Stellenanzeigen direkt auf den Unternehmensseiten
www.opportuno.de Suchmaschine, die Unternehmensseiten und andere Stellenbörsen durchsucht
www.bund.de Dienstleistungsportal des Bundes mit Jobbörse und einer umfangreichen Linksammlung
www.jobboerse.arbeitsagentur.de Agentur für Arbeit
www.stellenticket.de Die Stellenbörse speziell für Hochschulen

Diese Liste ist bei Weitem nicht vollständig, daher freue ich mich sehr über Kommentare, welche diese Sammlung ergänzen.

Viele Grüße an alle geduldigen Leser und eine hoffentlich lohnende Suche wünscht Euch

Florian

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3 Responses to 236 Gedanken: auf der Jagd nach der E-Learning-Stelle

  1. Lieber Florian,

    vielen Dank, dass du mit uns und der ganzen großen Welt die Erfahrung der Jobsuche im eLearning-Bereich geteilt hast!
    Ich habe es mit Spannung gelesen, da es in einigen Monaten aktuell für mich werden könnte, wenn ich Ende August mit der Uni fertig bin. Ich hoffe aber, dass zumindest am Anfang das für mich doch erspart bleibt und ich weiterhin für NICE-Projekt am IBW beschäftigt bleibe…und so komme ich dazu, was ich eigentlich zu deinem Beitrag hinzufügen wollte;-)

    In meinen Augen gibt es zwei Sparten von eLearning-Arbeitsstellen: 1) die „reinen“, eher didaktisch-orientierten Jobs, die du ziemlich ausführlich beschrieben hast und 2) andere Tätigkeiten mit einem größeren oder kleineren Anteil an Aufgaben im Bereich des eLearnings im weitesten Sinne.

    Für die zweite Art der Stellen ist es sicher von Vorteil fundierte Kenntnisse und eine Grundausbildung im eLearning zu haben, aber Vieles kann man sich auch anhand der Methode „learning by doing“ aneignen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass z.B. beim Verwalten und/oder Koordinieren eines (inter)nationalen Projektes online basierte Kommunikation und Zusammenarbeit an der Tagesordnung steht. In diesem Fall sind die Kenntnisse eines/r eL-Tutoren/in über die Spezifika der Moderation und Motivation von online Diskussionen vom großen Nutzen. Dies kann man sicher als eine seiner Stärken im Bewerbungsprozess präsentieren.

    Ein anderer Aspekt wäre die Generation von neuen Ideen für die stärkere Nutzung der technischen Möglichkeiten im Kontext einer (fast beliebigen) Anstellung, die zur Schaffung eines vorher nicht erkannten Bedarfs an speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten führen könnte und somit auch zur besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt beitragen könnte.

    Ich glaube, die Eingrenzung des Jobsprofils auf Stellen mit einer engeren didaktischen eLearning Ausrichtung macht die Suche etwas schwieriger, was aber auch in vielen anderen beruflichen Bereichen gelten mag. Ein breiteres Suchprofil, in dem eLearning nur ein Teilelement der geforderten Qualifikationen wäre, würde die Suche auch auf verschiedene Projektjobs, Personalabteilungen, Lehre und manche andere Tätigkeiten ausdehnen.

    LG und einen schönen Start in den vor der Tür stehenden Sommer:-)

    Monika

  2. Hallo Flo, um deine Liste noch ein bisschen zu erweitern, fallen mir spontan die allgemeinen Jobbörsen wie:
    http://www.stepstone.de
    http://www.monster.de/
    http://www.jobscout24.de/
    ein, sowie die schon genannt kimeta und careerjet, auf denen ich mich bei der Jobsuche getummelt habe.
    Auch im beruflichen Netzwerk von Xing kann man unter Jobs ab und zu etwas finden.
    Nur bei der Jobbezeichnung wurde es knifflig, weil nicht wirklich feste Berufsbezeichnungen bestehen… eLearning als erster Anlaufpunkt ist allerdings immer ein guter Anfang 😉

  3. Hier ist übrigens auch noch ein guter Artikel.

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