236 Gedanken: Oppia – Der Weg ist das Ziel?

oppia-1 Nachdem ich in meiner letzten Kolumne die One-Pager unter die Lupe genommen habe, gehen wir heute einen Schritt weiter. Von One-Pager Webseiten zu One-Pager Lerneinheiten. Anfang des Jahres wurde mit Oppia ein Interaktives Learning Tool vorgestellt, das es jedermann erlaubt „Bite-sized learning journeys for everyone“ zu erstellen. Betrachten wir zunächst den Output dieses Tools.

Diese Journeys bzw. sogeannte Explorations, die man ohne große Programmierkenntnisse mit diesem Tool erstellen kann, sind eigentlich nichts anderes als One-Pager Lerneinheiten. Ich habe in den letzten Montaten in der Explorations Gallery ein paar  ausprobiert und sie sind recht ähnlich aufgebaut. Man fängt in der „Exploration“ – die man als Lerner gewählt hat – oben auf der sonst noch recht leeren Webseite an,  liest z. B. einen Einstiegs-Text, dann scrollt man weiter nach unten, beantwortet eine Einstiegsfrage, erhält individualisiertes Feedback, scrollt weiter nach unten und  je nachdem wie man diese beantwortet hat, erhält man vertiefendes oder wiederholendes Material. Dann folgen abermals Texte, Fragen zum Text oder Anwendungsübungen (bei dem man sein Wissen in einem Fallbeispiel anwenden muss) in Form von Multiple Choice, Single Choice Questions. Und nie verschwinden die zuvorbehandelten Lerninhalten, man scrollt einfach nur wieder die Seite hoch und schon hat man seine vorherigen Inhalte und Antworten vor Augen.  Für den Lerner erscheint so eine Lerneinheit recht einfach gestrickt zu sein 🙂 Simpel, wenn gleich nicht sonderlich schön anzuschauen. Ihr könnt Euch gern Eure eigene Meinung dazu bilden, die veröffentlichten Beispiele und Betas der Nutzer weltweit findet Ihr in der Gallery. Testet beispielsweise Euer Geographiewissen und sucht die Hauptstädte der Welt auf einer Landkarte oder übt Eure Grundkenntnisse in englischen Propositionen indem Ihr einfache  Sätz vervollständigt. Je nachdem wie der Autor der Lerneinheit die Exploration aufgebaut hat, bekommt ihr nicht nur ein Richtig-Falsch-Feedback. Sollte es nicht sofort beim ersten Mal richtig sein, bekommt ihr in den meisten Fällen Tipps und Hilfestellungen für einen erneuten Versuch.

Betrachten wir  deshalb die andere Seite solch einer „Exploration“: Wie wurde der Lernpfad erstellt, was braucht man dazu und was gilt es alles zu bedenken? Hilfe und Antworten auf diese Fragen erhoffte ich mir in der ebenfalls in Oppia erstellten Lerneinheit „Using Oppia for Learning – Develop familiarity with oppia and apply it to educational context“. Wie ich schnell feststellen musste, hatte ich etwas andere Lernerwartungen als die tatsächlich vermittelten Inhalte. Gleich am Anfang wird man gefragt, was man bisher schon über Oppia weiß und hat mit 7 vorgefertigten Antworten die Wahl, wo man bei den möglichen Inhalten einsteigen will. Gibt man allerdings zu, dass man bisher fast gar nichts darüber weiß, wird man für meinen Geschmack zu vielen überflüssigen „Einführungswissen“ zu Oppia gefüttert, und auch der Sprung ins kalte Wasser durch den Einstieg in die Programmierlogik „Finite State Machine“ haben mich das Programm einige Wochen ignorieren lassen, bis ich mich zu einem späteren Zeitpunkt weiter durchgekämpft habe.  Alles in allem war ich dann doch enttäuscht, das die Exploration sich im Praktischen Teil im Großen und Ganzen auf ein geführte Anleitung beschränkte, wie man eine Exploration in Oppia erstellt. Nachdem ich abermals ein paar Wochen gegrübbelt hatte, musste ich jedoch feststellen, dass die Herangehensweise doch nicht so abwegig war, nur war der Sprung von der „Programmierlogik“ direkt zum Erstellen einer „Expoloration“ für mich zu abrupt.

Denn hier beginnt für mich der wichtigste Teil einer Lerneinheit: Das Konzept oder vielmehr Drehbuch derselben. Dieser Zwischenschritt fehlte in der von mir besuchten Exploration bzw. vielleicht wurde vorausgesetzt, dass der Lerner dieses Wissen bereits hat?! „Effektive“ und mit Mehrwert behaftete Lernpfade zu erstellen ist für den Laien kein leichtes Unterfangen. Schnell beschränkt man sich in die Richtig-Falsch Logik, die für den Lerner schnell frustrierend werden kann, vor allem wenn die grafische Aufbereitung der Inhalte sehr schwierig ist um das Training etwas kurzweiliger zu gestalten. Diese neue Möglichkeit der Aufbereitung von Inhalte in einer One-Pager Lerneinheit hat aber definitiv Potenzial. Man kann die Lerneinheit frei nach dem Leitspruch „Der Weg ist das Ziel“ bei der Konzeption bereit berücksichtigen und mit Kreativität und Zeit tolle Explorations bauen, bei dem Lerner wirklich erst über Umwege zum Ziel gelangt. Bei mir war es über Umwege auf jeden Fall so 🙂

Fazit war für mich: Wenn man sich in Oppia hinein“fuchst“ ist es kein schlechtes Tool und noch dazu Open Source und kostenlos zu nutzen. Auch die neue Aufbereitung der Inhalte als One-Pager hat definitiv potenzial. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung!

Beste Grüße

Eure Kerstin

 

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2 Responses to 236 Gedanken: Oppia – Der Weg ist das Ziel?

  1. Liebe Kerstin,

    vielen Dank für deinen nützlichen Artikel und ausführliche Beschreibung des Oppia Tools!

    Ich bin ein großer Fan von kleinen, schnellen bzw. kurzen Lerneinheiten im Sinne von „Übung macht den Meister“.

    Bei „Einseitigen“-Lerneinheiten sehe ich insbesondere ein Problem, das auf Dauer die Lernmotivation und somit das Durchhaltevermögen beeinträchtigen könnte, und zwar, sie könnten zu einseitig wirken.

    Zum Zwecke einer einmaligen Anleitung ist die Methode sicherlich sehr einfach anzuwenden. Im Falle eines längeren Lernkurses, der aus One-Pager Einheiten bestehen soll, sollte man auf jeden Fall auf eine ansprechende graphische Darstellung und abwechslungsreiche Aufgaben achten.

    Fazit: die Trends kommen und gehen, und ein Tool ist oft genauso gut wie das Andere – den Unterschied im Lernerfolg macht letztendlich immer eine geeignete didaktische Aufbereitung aus.

    LG, Monika

    • Guten Morgen Monika,

      vielen Dank für deine Gedanken! Interessanterweise hatte ich mir über die Lernmotivation in diesem Zusammenhang noch gar keine Gedanken gemacht, weil ich bei diesem Tool tatsächlich total auf Mini-Module fokussiert war. Du hast aber vollkommen recht, sobald die zu vermittelnden Inhalte zu langatmig werden, können One-Pager Lerneinheiten schnell die Motivation sinken lassen. Da siehst du mal, dass die didaktische Denke bei uns schon automatisch im Hintergrund unserer Gedanken abläuft! Top! Einen guten Start in die Woche wünscht Euch
      Kerstin

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